24.09.2016

Busen, der Phallus und Wohnmobilstellplätze


Niedersachsen, es ist schwer einen Platz am Wasser zu finden. Typisch Deutschland. Überall Verbotsschilder. Ich fühle mich nicht willkommen.  


Ich versuche es am Jadebusen. Varel / Dangast. Stellplatz für 40 Mobile, teilweise mit Blick aufs Wasser und auf Sichtweite zum Hafen. 

Die Fläche ist gemäht und Grün. Da hört es dann aber auch schon wieder auf. Keine Mülleimer auf dem Platz und auch keine Toiletten. Ist für mich jetzt nicht schlimm aber warum soll ich dann 9 Euro dafür bezahlen? 
Ich hatte aber keine Lust mehr weiter zu suchen und bleibe da stehen. Der Platz ist gut voll mit Wohnmobilen. Es scheinen ganz nette Leute dabei zu sein. Es wird gegrüsst. Am Strand und an der Promenade ist gut was los. Viele Leute sind unterwegs. 

Ich packe meine Kamera ein und mache einen Spaziergang. Mitten auf dem Strand steht eine Stein Skulptur. Sieht ein wenig so aus als wenn die mal von einem Bauwerk übergeblieben ist. So ähnlich wie die Bunker in Dänemark am Strand. 
Ich komme dichter. Irgendwie sieht das Ding von der Seite aus wie ein Penis. Seltsam. Und seltsamer Gedanke. Bilde ich mir wohl bloss ein. 

Ich mache ein paar Fotos. Es ist immer mal wieder Kunst zu erkennen. Mal versteckt und mal eher offensichtlich. 

Eine Schautafel versucht mir etwas zu vermitteln. Ich schaue gezielt nach. Das Kunstwerk heisst „Der Phallus“. Also doch. Naja, sei es drum. Wird ja wohl am Busen auch einen Penis geben dürfen. 

Erstmal zurück zum Stellplatz. Auf der gegenüberliegenden Seite hat ein Fahrradfahrer sein Zelt abgebaut. Er hat so ein modernes Telefon mit Lautsprecher und telefoniert nun damit. Im sitzen und das Telefon ausreichend weit weg vom Gesicht. Die Gesprächspartnerin scheint ihn nicht so gut verstehen zu können. Er spricht sehr laut. Belangloses Zeug von jemanden der zu viel gekifft hat und sein Leben nicht auf die Reihe bekommt. 

Endlich ist das Gespräch vorbei. Er geht zu meinen Nachbarn. Die tuen so als wenn die sich schon lange kennen. Er erzählt nochmal alles was er eben schon im Gespräch erzählt hat. Es ist immer noch belanglos. 
Ich lege mich ins Auto und versuche zu schlafen. Meistens ist danach alles besser. 

Es wirkt. Es ist besser. Der Fahrradfahrer ist weg. Ich stehe auf. Kaum das ich aus dem Auto bin kommt einer von Gegenüber zielstrebig auf mich zu. Oh oh. 

Ich hätte ja das tollste Auto auf dem Platz und Norwegen und mehr braucht man nicht und Blut aus dem Ohr. 
Ich fühle mich überrumpelt. Meistens lerne ich ja keine Leute auf Reisen kennen weil ich sehr oft ganz alleine stehe. Das ist mitunter fast ein wenig einsam. In dem Moment habe ich es vermisst. Naja. Der Kollege mit dem Pickup und der Wohnkabine ist wieder weg. Der war eigentlich nett. Aber ich bin halt gerade wach geworden. 
Die Nachbarn prosten sich zu. Ah ha. Gesoffen wird hier also schon mitten am Tag? Naja, man ist ja im Urlaub und nur einmal jung. 

Am Hafen gibt es auch eine Party. Mit mitsingen zu Sauf und Partyliedern. Naja, eher rumgegröhle. 

Wildnis ist halt nicht mehr so oft in Deutschland. 

Es kommen andere Nachbarn vorbei. Wir plaudern kurz. Sie meinen was das wohl für ein Fell auf meinem Stuhl ist? Das Auto würde so aussehen als wenn ich damit in Afrika war und das von da aus mitgebracht habe. ;-) Das finde ich nett. Aber das Fell kommt vom Wochenmarkt und das Schaf kam aus der Lüneburger Heide. 

Ich bekomme Besuch. Diesmal Freunde von mir, die in der Nähe wohnen. Das Feuer ist an. Ich lege ein paar Sachen auf dem Grill. Wir plaudern. Es ist Nett. 
Das Essen ist fertig. Wir lassen es uns schmecken. Da steht mit mal ein Stuhl in unserem Kreis um das Feuer. Ein Mann setzt sich drauf. Er ist älter als wir. Er stinkt nach Sprit. Ist voll wie Eimer. Lallt. Und seltsamerweise ist er mir auch gleich sehr unsympathisch. Sich ohne zu fragen bei Leuten ans Feuer zu setzten, die gerade Essen, ist echt kein guter Stil. 

Er meint das wir jetzt alle Schnaps trinken müssen. Er holt eine Buddel Schluck. Ich bin ja die Ruhe selbst und versuche immer ruhig und gelassen zu bleiben. Das war nicht immer so bei mir. Ich war auch mal jünger. 

Er kommt wieder und verteilt sein Plastik Becher. Die Hälfte geht beim Auspacken schon kaputt. So jetzt jeder ein Schnaps. Ich kläre meinen Besuch darüber auf das ich diese Person nicht kenne. Die schauen mich entsetzt an und meinen das die da fest von ausgegangen sind und deshalb auch nix gesagt haben. 

Nach der Runde schnaps will er Bier von uns. Wir schicken ihn höflich weg. Und nimm deinen Stuhl mit!

Wir essen weiter. Es ist wie immer lecker. 

Dann lallt mir der besoffene wieder in den Rücken und fällt halb über meinen Stuhl. Ok, der Bock ist fett. Ich erkläre ihm das ich ihn hier nicht haben möchte. Er diskutiert mit besoffenen Lallagumenten. Er hat keinen Stich. Logisch. Kurz bevor ich Kraftausdrück benutze und beleidigend werde hat er es begriffen und haut ab. Und nimm deinen Stuhl mit!

Später kommt er kann auf einem Fahrrad angefahren. Stellt sich ans Feuer. Sagt nix. Kippt fast in die Feuerstelle und haut wieder ab. Nimm deinen… Ach, nee. Bist ja mit Fahrrad da. 

Er verschwindet in seinem Wohnmobil und schläft auf dem Fahrersitz ein. 

Dann kommt eine Frau ans Feuer und stellt sich vor. Ah ha. Die ist die Frau von dem und möchte sich entschuldigen. Nee. Die mag den auch nicht und die wäre ja mit (Name vergessen) hier. Wir würden uns ja schon lange kennen und er wäre ja der mit dem Pickup und der Wohnkabine. 
Er hätte ja soviel von mir erzählt und ob sie sich auch mal das Auto ansehen dürfte und sie findet es ja ganz großartig und so. Mein Besuch und ich schauen uns an. Fragezeichen machen sich breit. Ja, morgen wenn es Hell zeige ich dir alles. 

Mit mal habe ich Geburtstag. Ich bekomme einen Präsentkorb mit viel frischen Gemüse. Super davon wird morgen gleich mal was gekocht. Danke. Welch eine Überraschung. Dabei wollte ich doch gar keine Geschenke. 

Die Nachbarn haben mir den Tipp gegeben das ich einen Umschlag mit 9 Euro vorne an die Scheibe machen soll dann werde ich nicht geweckt wenn morgens jemand zum bezahlen rumkommt. Gute Idee. 

Morgens bin ich dann wach. Die 10 Euro hängen noch an der Scheibe. Ah ha. Aber die Schranke am Eingang ist zu. Eine Frau läuft über die Wiese und hat eine große Kasse in der Hand. Wo gehörst du denn zu? Na zu dem Blauen. Ah ha. Da wo der ganze Müll rumliegt. Wir gehen drauf zu. Hier Mädel, das war der Besoffene mit dem größten Wohnmobil auf dem Platz. Der hat sich hier gestern wie ne offene Hose benommen. Sag dem das. 
Und zu weit hinten stehst du auch. Weiter nach vorne parken. Alle in Reih und Glied. Hier mach langsam. Ich fahre jetzt eh weg. Ok, 9 Euro macht das. 

Ich gehe zu dem Wohnmobil vom dem besoffenen (Kraftausdruck deiner Wahl) und ballere ordentlich an die Tür bis es drin poltert. Dann wieder zum Auto und nix anmerken lassen. Er öffnet die Tür und sagt zu der Frau „habe ich mich gestern wieder schlecht benommen?“ 
Die zählt ihn erstmal aus. Sie hätte seine Jägermeister Buddel mitten auf dem Weg gefunden und ob es sein Stuhl ist, der da hinten auf der Strasse steht. 

Für mich geht die Reise weiter. Auf dem Stellplatz mag ich nicht mehr sein. Vielleicht gibt es ja noch andere. Ich frage meine App. 

Ein weiterer Platz liegt auf dem Weg. Obwohl ich eigentlich gar nicht so genau weiss wo ich hinwill.  Erstmal fahren, dabei kann ich gut nachdenken. Ich spiele verschiedene Optionen durch. Ich wollte erst die Woche wegbleiben. Vielleicht noch nach Holland. Jetzt fahre ich Sonntag heim. Schraube am HBM. Und am Wochenende ist vom Blacklandy Forum ein Meeting ganz bei mir in der Nähe. Da bin ich direkt zum Ende meiner Ostseeumrundung schon mal gewesen. Das war gut. Jetzt werde ich da für das ganze Wochenende hinfahren. 

Ok, der nächste Stellplatz. Auch am Wasser. Platz für 5 Mobile. Direkt am Hafen. Auf dem Weg dahin sind nur Wohnmobile unterwegs. Da scheinen mir 5 Plätze nicht viel zu sein. Und so ist es dann auch. Eng an Eng. Alles voll. Verbotsschilder das man ja nicht noch anders stehen darf. Und tschüss. 

Dann noch einen Platz auf dem Weg. Auf einer Insel im Ort. Liest sich gut. Gute Bewertungen in der App. (Ihlenworth). Im Ort ist Landfrauen Markt. Es sind viele Leute unterwegs. Sieht alles ganz nett aus. Aber wo ist der Stellplatz. Das Navi sagt ich bin gerade daran vorbei gefahren. 
Mal eben umdrehen. Hmm, auch nicht. Dahinten vielleicht? Auch nicht. Ruhe bewahren. Wenn ich den Platz nicht auf Schlag finde dann finden denn die anderen auch nicht. Noch mal auf der Karten App schauen. Eine Insel soll es sein. Das muss doch zu finden sein. Ja, klar. Ich muss erst über den Bach und dann ist es da. Einfach. Die Wege werden immer kleiner. Das ist gut. Dann passen da keine großen Wohnmobile hin. Jetzt noch ne Wasserdurchfahrt und ich stehe da alleine. 

Der Platz ist geschottert. Recht groß. Ein Wohnmobil steht da. Es ist Sauber. Es gibt Schatten und Sonne. Leider auf den ersten Blick keine Möglichkeit für die Hängematte. Gestern ja auch schon nicht. Hängematten scheinen in Wohnmobilkreisen nicht verbreitet zu sein. 

Ich halte erstmal eine Mittagsstunde. 

Als ich wach werde steht noch ein Wohnmobil da. Es ist gut hier. Ruhig. Den Markt habe ich zwar verpasst aber ich habe ja noch den Präsentkorb. Hunger habe ich auch noch gar nicht. Mal sehen ob ich noch ein Feuer für mich alleine mache? 

Jetzt wird erstmal die Story online gestellt und dann vielleicht mal einen Spaziergang. 











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Text und Fotos: Dennis

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