08.05.2017

It´s a long way home.



Ich sitze am Donnerstag Abend mit Stef in einer Bar, auf der Reeperbahn, in Hamburg. Wir haben uns 1 1/2 Jahre nicht gesehen und sie ist beruflich in der Stadt. Was machst du am Wochenende? Ich gehe mit einer Freundin den Heidschnuckenweg in der Lüneburger Heide wandern. Komm doch mit. 


Das ist ja schon morgen? Ja! Ok, ich bin dabei. Mit Stef war ich vor Jahren ja schon öfter wandern. (Sie organisiert auch Wandertouren) Es war immer sehr gesellig und auch sportlich so das ich immer gut mithalten konnte. Ich bin ja auch fast fit. Wir wollen 40 Km pro Tag schaffen. Dafür aber fast ohne Steigung. Ah ha. Also so wie sonst auch, oder? 

Ich gehe im Gedanken meine Ausrüstung durch. Sollte ja noch alles da sein. Das letzte Mal richtig wandern muss vor der Defender Zeit gewesen sein. 

Freitag Abend treffen wir uns auf dem Ponyhof „Goldener Reiter“. Nee, so heisst der nicht. Hätte ich aber lustig gefunden. Es ist eher was mit Landliebe. Ah ha. Teuer ist es. Alles voll Pferde. Fast nur Frauen. 

Stef und Claudia schlafen im Wohnmobil vor der Tür. Ich habe spontan ein Einzelzimmer bekommen. Anstatt Frühstück bekommt ich ein Lunch Paket aus der Küche. 

Um 8:00 Uhr holt uns ein Taxi ab und fährt uns zum Start der Strecke. Und Fährt und Fährt. Sag mal wollen wir das alles an einem Tag wieder zurücklaufen? Im Radio läuft „it´s a long way home“. Wie wahr. 

Startfoto vor dem Schloss und los geht es. 

Erst mal durch den Park. Es kommt fast ein Gefühl von Wildnis auf. Dann an der Hauptstrasse lang. Nach vielen Wohnsiedlungen und Parks kommt sowas wie Wald. Der Weg führt uns aber immer schön auf Teerstrassen an den Wald vorbei. Das muss dieses Gefühl von Freiheit in der Wildnis sein, von dem ich schonmal gelesen habe. 

Irgendwann kommen wir dann richtig in einen Wald. Auf matschigen Frostwegen, die sehr lange nur stumpf gerade aus gehen. 

Sag mal wie gefällt euch der Weg so? Wir versuchen es uns schön zu reden und machen erstmal Pause, auf einer Bank mit Blick auf eine Wohnsiedlung. Der Lärm der Strasse lässt uns wenigstens nicht einschlafen. 
Das Lunch Paket vom Ponyhof ist super. Ordentliche Stullen mit viel Belag. Das hebt die Stimmung. 

Die Strecke zieht sich. Uns wird langweilig. Keine „Oh, schau mal wie schön“ Momente. 

Was ist mit Kaffee? Stef hat sich vorgenommen ihren ersten Kaffee in der Wildnis zu kochen. Dafür hat sie sich extra einen Primus Kocher geholt. 
Sie ist aufgeregt. Für mich ist es eher Wasser auf einem Kocher heiss machen. Das Wander-Pärchen, dass in der Pause an uns vorbei zieht lehnt den Kaffee ab. Sie haben noch viel vor. 

Von Ruhe im Wald kann man nicht sprechen. Die nächsten 2 Stunden begleiten und Schüsse von einer Schiessanlage. 

Nach etwas über 20 Km gibt es die erst Möglichkeit zu einer Einkehr. Es ist Kaffee Zeit. Ein Landgasthof. Pferde sind draussen angebunden. Es riecht nach Rauch aus dem Ofen. Der Stammtisch ist gut besetzt. Wir bestellen Kaffee, Tee und Kuchen. 
Die 4 jungen Frauen gegenüber sind zu Pferd in die Kneipe gekommen. Bei denen gibt es ein paar Runden Kurze zum Kaffee. 
Die Jungs vom Stammtisch sind alt und kommen alle fast nicht mehr aus den Stühlen hoch. 

Für uns geht es weiter. Diesmal sogar direkt auf der Strasse. 
Was stimmt eigentlich nicht mit dem Heidschnuckenweg? 
Tiefer Sand von den Pferdewegen, Teerstrassen, Forstwege und immer nur gerade aus.
So haben wir uns das nicht vorgestellt. 
Dann kommen wir an den Feuerlöschteich (O-Ton Taxifahrerin), Die EU hat ordentlich Geld reingeballtert. Naja, ist ganz nett geworden. Die Bänke die da alle zehn Meter stehen hätte man auch mal auf den ersten Teil der Strecke verteilen können. Da war so gut wie nie eine Bank. 

Ich merke schon seit ein paar KM das ich doch nicht so fit bin wie ich dachte. Dann fällt mir auf das ich noch gar nicht richtig darüber nachgedacht habe wie fit ich bin. Ich bin es scheinbar gar nicht. 

Die schweren Meidl Stiefel hätten es für diese Tour auch nicht sein müssen. Claudia und Stef habe beide so halb Schuhe an, die deutlich leichter als meine aussehen. 

Ich werde irgendwie immer langsamer und als wir nach 32 Km auf eine Strasse treffen, fragt Stef mich ob ich den Rest mit Taxi fahren möchte. Die Möglichkeit hatte ich noch gar nicht ins Auge gefasst. 2 Sekunden nachgedacht. Und Ja, ich möchte bitte ein Taxi. 

Die beiden laufen weiter. Und wir treffen uns später im Hotel. Mir geht es richtig schlecht. Kein Hunger. Mir ist kalt. Roter Kopf und irgendwie auch noch Körper. 

Wer hatte nochmal die Idee nach über 2 Jahren Wander Pause gleich mit 40 Km einzusteigen? 

Naja, es hat Spaß gebracht. Mit den beiden Mädels werde ich noch mal wieder losgehen. Bis dahin kann ich ja noch ein wenig üben. Neue, leichtere Schuhe sind bestellt. 

Eigentlich war es ja der Plan den Weg an 4 Wochenende zu gehen. Also immer da weiter wo man vorher aufgehört hat. Da der Weg aber so langweilig und eintönig ist. Werde ich den Weg nicht fortsetzten. 

Vielleicht wandern wir ja mal in Norwegen oder Schweden. Und die beiden wollen auch gezeigt bekommen wie man auf einem Feuer kocht und wie man überhaupt ein Feuer macht. Und Zelt und richtig draussen und und und. 

Es kann also gut sein das es bald die ein oder andere Wander Story hier zu lesen gibt. Mit dem Defender wird es auch bald mal wieder losgehen. Es gibt einen kleinen Wartungsstau und ich war noch nicht in der Stimmung den zu beheben. 


















Text: Dennis

Fotos: Stef und Claudia


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