07.08.2017

Du entschuldige I kenn di


Ich bin im Hotel. Schön war es heute. Sehr gutes Wanderwetter. Die Strecke hat mir gar nix ausgemacht. Bis jetzt im Hotel da wird mir das ganze Ausmass erst bewusst. 

Aber mal von vorne. Heute morgen Nebel. Es gab mal wieder nix zu sehen. Wir sind zügig unterwegs. Auf der ersten Hütte sind wir zu früh. Es langt für einen Tee, aber nach Essen ist uns noch nicht. 
Also weiter. Es wird ja da hinten auch schon wieder hell. Der Nebel lichtet sich zeitweilig. Die Sonne kommt durch. Ganz angenehm. 

Für mich ist heute das Stempel Buch ein Thema. Einige ignorieren es komplett und machen sich da kein Stress mit, andere sind ganz heiss darauf, einen Stempel zu bekommen. Ich bin mir noch unsicher. Gestern im Regen haben wir ein paar Stempel ausgelassen bevor ich überhaupt begriffen habe, um was es geht und wie das ganze funktioniert. 
Es gibt also ein kleines Buch. Das habe ich von Stef. Wo man es sonst herbekommt, weiss ich nicht. Wahrscheinlich vom Fremdenverkehrsbüro oder sowas. 
Da sind Felder für die Stempel vom Gipfelkreuz. Das scheint eher ein runder Stempel zu sein. Weiter in dem Buch geht es mit Abbildungen von verschiedenen Hütten. Darunter sind auch Stempelflächen. 
Gestern sind wir an vielen Hütten so vorbei gelaufen, bzw haben auch Stempel nicht gefunden. Dabei ist es ganz einfach, wenn man weiss, wonach man suchen muss. 
Es gibt immer so kleine Kisten aus Blech oder Holz in der ein Stempel und ein Stempelkissen sind. Diese sind meisten schon am Eingang von der Hütte oder halt am Gipfelkreuz. 

Heute bin ich also auch mal ernsthaft damit angefangen. Es sind 3 Hütten und 2 Gipfelkreuze geworden. Ich weiss jetzt gar nicht, ob das viel ist für einen Tag. 

Von der Strecke her war es heute schöner. Nicht nur weil die Sonne irgendwann durch gekommen ist. Ich mag die kleinen Wege ja viel lieber. Es darf ruhig über Stock und Stein gehen. Wenn ich mal die Hände zur Hilfe nehmen muss, macht das gar nix. 

Ich hatte es so verstanden, dass auf dem einen Gipfel eine Hütte ist und dass ich da gescheit was zu Essen bekomme. Das ist wohl falsch bei mir angekommen. Zu Essen bekomme ich erst was zur Kaffe Zeit. Die anderen bestellen irgendwas aus dem Kuchen Sortiment. Ich freue mich die ganze Zeit schon auf einen Wurstsalat. Haben die aber schon wieder nicht auf der Karte. 

Ein paar Sachen sind mir Unklar. Die Kellnerin läuft immer an mir vorbei, ohne mich zu beachten. Sieht die nicht, das ich Hunger habe? Hallo? Darf ich mich mal mit Ihnen unterhalten? Sie schaut mich irritiert an. 
Gut, ihre Aufmerksamkeit habe ich jetzt ja. Sagen sie mal, die St. Johannwurst, was ist das für eine Wurst? 
Ich finde raus, dass es keine Bockwurst und keine Bratwurst ist. Da kommt das Gespräch ins stocken. Sie sucht nach den richtigen Worten. Ich habe Hunger. Ist es eine Wurst die man so in der Hand essen kann? Ja! Kalt? Nein. Warm? Ja. Ah ha. Nehme ich und einen Bananenspilt, ist ja schliesslich Kaffeezeit. 
Wir sitzen schön im Schatten und es lässt sich so ganz gut aushalten. 

Die Kellnerin bringt beides zusammen. Bei der Wurst liegt eine Schreibe Graubrot bei und geraspelter Käse. 

Das ist ja mal eine geile Idee. Super Kombination. Ich nehme eine große Ladung Käse in die Hand und beisse gleichzeitig von der Wurst ab. 

Odia! 

Das ist aber … Ich werde gefragt ob der Käse nicht schmeckt. Da bemerkt jemand aus der Gruppe das es auch Meerrettich sein könnte. 

Odia, ist das scharf. 

Aber trotzdem auch eine gute Idee. Ich hatte da bloß nicht mit gerechnet. Und die Kellnerin hatte noch irgendwas von würzig gesagt. Ich dachte, sie meinte die Wurst und nicht die Beilage.

Ok, Schlussetappe. Es geht durch den Wald nur noch bergab. Im Wald ist es angenehmer. Die Sonne scheint doch ganz schön. Claudia hat den Nacken ganz rot. Bei mir ist nicht viel. Jedenfalls fühlt es sich noch nicht so an. Silke meint dann, ich hätte auch einen roten Nacken. Kann ja gar nicht sein. Habe doch extra eine Mütze auf. 
Ne kurze Hose hatte ich dieses Jahr noch nicht an. Irgendwie fühlen sich die Beine auch so warm an. Ich schaue mal genauer nach und muss feststellen das meine Beine hinten ganz rot sind und vorne auf den Knien. Naja, wird schon nicht so schlimm werden. 

Als wir ins Dorf kommen, möchte ich mir Feuchtigkeitscreme kaufen. Christian vom Hotel erklärt mir den Weg. 
Ich also gleich los. Alles ganz einfach und auch nicht weit. Sieht nett aus hier. Brennt bloss sehr an den Beinen. Die in der Apotheke verkauft mir alles was ich möchte. Sehr gut. Gibt es hier auch einen Supermarkt? 
Ich halte ihr den Stadtplan hin. Sie kommt nicht von hier. Aber irgendwo da links und dann über den Dorfplatz und dann. Ja ok. Passt. 

Beim Rausgehen ruft sie mir hinterher, dass doch genau gegenüber ein Supermarkt ist. Ah ok. Sehe ich jetzt auch. Danke. 

Ich also da rein um ein Kunststoff Flasche Selter zu kaufen. Selter gibt es hier nicht. In den Hütten weiss auch keine, was das ist. Heisst hier Mineral, Brisant. 
Ok, Ich hole zwei Flaschen. 

Vor mir im Laden steht eine sehr dünne Frau mit kompletter Fahrrad Montur. Kein Stück am schwitzen und den Helm und Handschuhe noch an. 

Warum die wohl ihr Gemüse in der Plastiktüte und das eingepackte Bio Ökozeug nicht aufs Band legt?
Ich warte noch ein wenig ab. Sie ist dran. Ich habe keine Lust mehr die beiden Flaschen zu halten und lege die aufs Band. Die fahren an ihr vorbei. Die Kassiererin bekommt sie zu fassen und zack auf den Scanner. Die Fahrradfrau sagt nix. Ich meine, das es meine sind. Sie geht an die Seite. Geh Fei. Ich bezahle und beim Bezahlen meint die Kassiererin zu der Fahrradfrau, dass sie die Sachen doch auf Band legen soll. 
Ich wundere mich noch, wo die herkommt. So Kassenbänder gibt es doch überall. Die Kassiererin versucht, es nochmal in einer anderen Sprache. 
Dann sagt die Fahrradfrau, dass ihr die Bänder zu schmutzig sind. Ist mir gar nicht aufgefallen. Ich schaue noch mal auf die Bänder. Hä? Die sehen so aus wie immer und überall. 
Die Fahrradfrau hält immer noch alles in der Hand. Die Kassiererin fragt, ob sie die Sachen denn mit Verpackung essen möchte und ob sie das vorher nicht abwäscht. 
Als Antwort gibt es “das Sie kein Interesse an so einer Diskussion hat“. Odia. Sowas habe ich ja noch nie gehört. Ich bin raus. 

Im Hotel dusche ich erstmal etwas kälter und begutachte den Schaden. Odia. Da habe ich aber richtig was abbekommen. Kopf, Nacken und beide Beine. 

Alles reibe ich dick mit Feuchtigskeitscreme ein. Und schreibe dabei diesen Text. Dazu trinke ich soviel Wasser wie nur reingeht. Feuchtigkeit von innen sollte auch helfen. 

Es ist Essenszeit. Ich gehe mal Runter. Auf der Karte sah es schon wieder gut aus. Ich nehme Rind, so wie alle. 

Zu Tisch merken wir das alle zu viel Sonne abbekommen haben. Keinem ist es aufgefallen. Ich habe Hunger und freue mich aufs Essen. Danach möchte ich nur noch schlafen. 

Die Headline haben heute Claudia und Stef beigesteuert. Ich beiden waren ganz gerührt als der Song von Peter Cornelius auf der Hütten gespielt worden ist. 





































































Fotos: Stef

Text und Fotos: Dennis


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