12.07.2018

Gastbeitrag: Lohnt sich Volunteering auf dem Roskilde-Festival?



Dennis hat mich gefragt, ob ich ein paar Gedanken zum Volunteering auf dem Roskilde Festival aufschreiben kann. So ein paar Antworten auf ein paar Fragen von ihm. Das mach ich für den Käpt’n natürlich gerne. Außerdem muß ich nüchtern bleiben, weil ich nachher noch arbeiten muß. 
Roskilde ist ja seit seinem zweiten Jahr in 1972 non-profit, wird also nur durch Freiwilligen-Arbeit getragen. Wenn man ein normaler Besucher ist, fallen einem dazu sofort die verschiedenen Westen auf, wenn man nach seinem Ticket gefragt wird, wenn man zum Duschen will… Also so im Camp sind die Freiwilligen schon recht präsent. Und dann an den Food-Stalls, den Bars, den Konzerten, die Toiletten-Guides… alles Jobs, die mit Menschen und Freundlich sein zu tun haben und das kann ich ja eher nicht so. Ich mag Steine. Und Schrauben. Bloß nix mit Organisation und Menschen. Deswegen hab ich eigentlich auch nie darüber nachgedacht, ob Volunteer auf Roskilde, etwas für mich wäre. Dann hab ich aber letztes Jahr mit den Amish eine Backstage-Tour in den Warmup-Days gemacht und die Aufbauarbeiten auf dem „inner plads“, dem eigentlichen Konzertgelände gesehen. Was da alles gemacht wurde! Sägen, schrauben, malen und und und… klar, daß das nicht alles vom Himmel fällt, was da so steht. Und daß es dort nicht draußen überwintert, weiß man ja auch, wenn man Dennis’ Blog schon länger liest. Aber man denkt da so normal ja nicht drüber nach, als zahlender Festivalbesucher. Ich also letztes Jahr während des Rundgangs schon ein paar Leute angeschnackt, wie die das so machen und auch während des restlichen Festivals immer mal wieder auf Konstruktionen und „unsichtbares“ geachtet. Für mich war es eigentlich schon letztes Jahr klar, daß ich diesmal in den Warmup-Days nicht nur mit meiner Family im Caravan-Camp im Windschatten der Seifenblasenmaschine sitzen will, sondern auch noch ein bisschen rauskommen möchte. Wieso eigentlich… Wie auch immer. Ich hab hab ja die letzten Jahre auch gar nicht im Caravan Camp gepennt, sondern in Get-a-tent gefühlte zehn Kilometer entfernt. Dies Jahr sollte es noch etwas weiter weg sein, das Volunteer-Camp ist in West hinter der Rising…. Aber freie Duschen wiegen die gefühlten hundert Kilometer Fußmarsch nicht auf, deswegen Tent-tent-option-at-Caravan… ich schweife ab…

Roskilde Festival hat zwei Möglichkeiten für Leute, die nicht jemanden kennen, der jemanden kennt, um beim Festival mitzuwirken. Zu Einen die offizielle Registrierung über die Homepage, wo man dann seine notwendigen Daten hinterläßt, was man kann und was man machen möchte. Zum Anderen eine Facebook-Gruppe für Volunteers, in der es zwischen August und Ostern ziemlich ruhig zugeht, die aber durchbrennt, wenn das Festival ausverkauft ist.
Ich hab mich letzten Sommer schon registriert und irgendwann dann auch eine nette Mail bekommen, daß sie sich bei Gelegenheit bei mir melden, vor Weihnachten aber wahrscheinlich nix passieren wird. Auch das war ein Volunteer, der mir da geschrieben hat, man kann sich mit dem Festival wirklich das ganze Jahr beschäftigen. Allerdings muß man dann in Kauf nehmen deutlich mehr Stunden zu arbeiten als während der „musik dagenen“, den vier Hauptfestivaltagen. 
Dann hatte ich auf FB gefragt, an wen man sich wegen der Konstruktions-Jobs wenden muß, irgendjemand empfahl jemand anderes, ein paar Nachrichten später war ich im im „Byggehold Egene Baren“, dem Bauteam für die Bars auf dem Gelände, mit dem Hinweis, weitere Informationen würden dann im Frühjahr folgen, aber ich brauche auf keinen Fall eigenes Werkzeug mitbringen. So nach und nach trudelten dann mehr Nachrichten ein, von verschiedenen Verantwortlichen, also von demjenigen, der für das ganze Team verantwortlich ist, dem der hinter der Bar aufbaut, dem der den vorderen Teil aufbaut und auch dem, der dann für was ganz anderes zuständig war. Hört sich nach mehr Durcheinander an, als es dann tatsächlich war, denn alle waren auf das gleiche Ziel ausgerichtet. Also nicht so wie im Büro.

Unterm Strich wußte ich, wann ich wo zu sein hatte und welche Namen mich in meinem Team erwarten. Und kein Werkzeug mitnehmen. Wäre im Rucksack auch schlecht gewesen, sollte ich jemals mit einem Auto so eine Expedition zu starten, kommt die komplette Werkstatt mit…  

Donnerstag hab ich mich zum Pre-Warmup auf der Wiese mit den Partylöwen zum Kaffee und Kuchen getroffen. Freitag mit den Amish aufs Gelände… die Geschichten hat der Käpt’n ja schon erzählt. Für das Volunteering war geplant, Sonntag nachmittag zu starten, Donnerstag kam eine Email, ob denn jemand früher Zeit hätte, es wären schon ein paar Sachen früher zu erledigen. Ich hatte ja auch erwähnt und stand so im Plan, daß ich schon da und auch verfügbar sei. Mach ich auch nicht wieder… 

Es ist viel zu tun. Viel viel. Nicht nur ein bisschen viel. Es ist eine wahnsinnige Organisation mit tausenden kleiner Zahnräder, die ineinander greifen, ein Ameisenhaufen in Großformat. Und alles in kleine Teams aufgeteilt, mit etwa einem dutzend Leuten, die sich um ein kleines Zahnrad kümmern. In meinem Fall den „Innenausbau“ der Exbar. Das bedeutet, als ich Samstag zum Arbeiten erschien, wuselten ein Dutzend Handwerker herum, die den Mittelpfeiler schon mit den Befestigungs-Balken und dem Gerüst für die Beleuchtung und die Barkarte verschraubt hatten. Im Laufe der Tage kamen hier noch die Bodenplatten auf Europaletten und der innere und äußere Tresenring dazu. Ich schätze, es waren 4 professionelle Handwerker dabei und der Rest Volunteer-Mignons. Aber mit denen vom „Außenaufbau“ hatte ich keinen Kontakt. Mein Team bestand aus Jan (verantwortlich für das Design und die Konstruktion), Rune (baut mit zwei Helfern die Satellitenbars auf), Oliver (Informatiker und sehr gut mit Werkzeug ausgestattet) und dann jeweils zwei Jungs, zwei Mädels und ein Pärchen, die keinerlei handwerklichen Fähigkeiten mitgebracht haben. Die waren zum Malen und Putzen da. 
Mit Oliver hab ich innerhalb kürzester Zeit einen Draht zum zusammen arbeiten gehabt, so als hätten wir nie anderes gemacht. Ob es jetzt das weiterschieben der Stichsäge bei einem besonders großen Brett war oder das intuitive Verständnis von „Gloria-Seite“ & „Busbus-Seite“ bei der runden Bar. Jan hat uns dann die Tasks gegeben, und wir haben die nach und nach abgearbeitet. Wenn einer Hilfe brauchte, kam der andere, wenn die Makita gerade zur Hand war, wurden die vom anderen gesägten Bretter verschraubt. So arbeite ich gerne.

Nur das dreieinhalb Tage am Stück mit bis zu 11 Stunden bei 30°C war dann doch etwas zu anstrengend. Und Sonntag ist ja auch noch was abzubauen.

Mag sein, daß die Studentinnen das etwas anders gesehen haben. Nanna und Regitze (spricht sich Rigidde, nicht Rehkitz) aus Kopenhagen wollten ursprünglich auch als Barkeeper arbeiten, wurden dann aber von Jan gefragt, ob sie nicht als Mignon mithelfen wollten und dafür dann die musicdays freihaben und alle großen Konzerte sehen können. Das fanden sie besser und machten soweit eine ganz gute Figur beim schleifen und bemalen der Bretter. Langsam, aber dekorativ. Hat auch völlig ausgereicht. 

Über das Pärchen weiß ich gar nichts. Die haben so ihr Pärchending durchgezogen, nur für sich, nicht mal beim gemeinsamen Essen sich zum Rest von uns dazu gesetzt. Sie immer ein Schritt hinter ihm und nur das gemacht was, er ihr gesagt hat. Üehrgs. 

Die beiden Jungs waren auch ganz ok, fleißig und gewillt neues zu lernen. Der eine segelt und fand meine Befestigungsknoten für die Sonnensegel ganz toll. Und der andere hat einen fiesen Sonnenbrand in den Kniekehlen bekommen. Und alle Studenten haben nach Feierabend ganz fett gefeiert und waren über verantwortungsfreie Malerarbeiten dankbar. 

Alkohol und Elektrosägen vertragen sich meines Erachtens nicht so gut, deswegen hab ich mich beim Warmup damit noch zurückgehalten. Bis wir dann um Punkt 17:00 am Dienstag alles stehen und liegen lassen mussten um zum gemeinsamen Barbeque der „Egene Baren“ am Grand Stand sind, und dort bis zum Abwinken Gin & Tonic aufgefahren wurde. Viel mehr weiß ich von Dienstag nicht. 

Donnerstag und Freitag hatte ich Gelegenheit, noch viel mehr Volunteers kennenzulernen, als sich meine linke Wade entzündet hat. Ob das jetzt ein Insektenbiss war oder eine Holzsplitterschrammeninfektion, weiß ich auch ein paar Tage später noch nicht. Auch die Medicals waren ratlos. „Sauberhalten, kühlen, hochlegen, weiter beobachten“ war mir auch von alleine klar, aber auf das Penicillin hätte ich verzichten können. Das hat bei mir eine kleine Allergie ausgelöst, die mein Gesicht ziemlich anschwellen ließ. Auf Fotos verzichte ich hier lieber. Die Jungs haben bestimmt welche gemacht. 
Volunteers, die ich bei dieser Aktion kennenlernen durfte: 3 Empfangssanitäter, 3 Durchgangssanitäter (Mia an der Orange war besonders nett und ich hab sie auch danach noch mal getroffen), 3 Nurses (einer männlich) und insgesamt 5 Ärzte. Falls einer von den geneigten Leserinnen oder Lesern dieses Blogges sich in dem Bereich umtun möchte: Bitteschön. Gleiche Bedingungen und Vergünstigungen wie für alle anderen Volunteers. Nur das Medical-Volunteer-Camp ist direkt neben den Caravans, und damit recht günstig gelegen. 

Und jetzt packt Dennis schon seine Sachen und mir bleibt noch zu schreiben, was unterm Strich übrig bleibt:

Haben: Freier Eintritt zum Festival, Vollverpflegung an den Arbeitstagen, Zugang zum Volunteercamp mit günstigem Bier und Extra-Konzerten, die ich alle nicht gesehen habe. Wellnessbereich mit Massagen, die im voraus ausgebucht waren, bei sehr hilfsbreiten Menschen, die mir auch ein Fußbad anbieten konnten oder zumindest einen heißen Waschlappen, weil schon um 20:00 Uhr Feierabend war. Es gab auch einen Verpflegungsgutschein mit zwei Essen und zwei Getränken. Am besten war noch die 20% Preisreduktion auf die aktuelle Merch-Collection. Das hat Ulli eisenhart ausgenutzt :-)

Soll: Mir fehlt die Warmup-Phase mit meiner Familie und der Rest des Festivals, weil ich wegen der ungewohnten Arbeit auch Samstag noch immer völlig ausgelaugt bin. 
Ob ich das Volunteering in dieser Form noch mal mache, weiß ich nicht. 
Aber Roskilde sieht mich nächstes Jahr wieder, darauf freue ich mich jetzt schon. 
























Text und Fotos: Bex

Fotos: Dennis (2), 


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