Berge, Klingen und was richtig Scharfes

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Ich habe ein Date. Nein, nicht so eins wie du jetzt denkst. Güde Messer aus Solingen hat mich eingeladen. Ich darf mir das Werk ansehen und soll gezeigt bekommen, wie in der Klingenstadt Messer gefertigt werden. 

Tief in der Nacht fahre los. Mein Plan ist, morgens hin und abends zurück. Ohne Übernachtung. Ohne unnötigen Kontakt zu irgendwelchen Leuten. 

Auch wenn ich gerne wieder reisen möchte um etwas anderes zu sehen oder Freunde zu besuchen, lasse ich es zur Zeit bleiben. Ich glaube, es ist weiterhin das Beste, Reisen zu vermeiden und Kontakte zu minimieren. Auch wenn das nicht leicht fällt und Viele zur Zeit die Geduld verlieren. 

Als ich in im Bergischen Land ankomme, bin ich total begeistert von der Landschaft. So bergig. Also für einen Jung von der Nordsee sieht es jedenfalls so aus. Toll, etwas Neues zu sehen. Die ganzen Autos und Leute in der Stadt überraschen mich. 

In der letzten Zeit habe ich immer versucht da zu sein, wo nicht so viele Menschen sind. Zum Beispiel gehe ich auch nur einmal die Woche einkaufen und dann zu Zeiten bei denen ich vermute, dass nicht so viel los ist. 

Vielleicht bekomme ich deshalb den Eindruck wie ein kleiner Junge, der sich zum ersten Mal die Welt ansieht. Alles ist so neu und anders. 

Das Güde Werk finde ich sofort. Es ist eine kleine Manufaktur. Die Werkstatt ist gleich an dem Wohnraum des Chefs, Dr. Karl Peter Born. Er macht auf mich einen sehr sympathischen Eindruck: “Kommen Sie, wir schauen uns gleich die Fertigung an!”

Ich fühle mich ein wenig wie Grönemeyer in “Das Boot”, als er alles zum ersten Mal gezeigt bekommt. Der Öllappen im Gesicht bleibt mir zum Glück erspart. 

Die geschmiedeten Messer Rohlinge werden nicht in diesen Gebäuden gefertigt. Dadurch ist es am Arbeitsplatz eher ruhig. Wichtig ist das Schleifen. Da gibt es verschiedene Arbeitsschritte. 

Das Holz für den Griff ist auch wichtig. Es wird von Hand auf jedes Messer angepasst. Vernietet und dann wieder geschliffen. Fast 50 Arbeitsschritte sind pro Messer nötig. 

Die Werksbesichtigung dauert nicht so lange. Es sind kurze Wege. Alle sind fleissig und freundlich. Ich fühle das gute Klima bei der Arbeit. 

Das Versandlager ist nicht so gefüllt wie in den Jahren davor. Ich frage, ob es Probleme durch Covid gibt? Also vielleicht Zulieferschwierigkeiten oder Schichtsystem in der Fertigung. 

Nein keine Probleme. Nur die Leute gönnen sich zu Hause was und kaufen deutlich mehr Messer als sonst. Das leuchtet mir ein. Essen gehen ist ja im Moment nicht so und das Geld wird dann eben für Messer ausgegeben. 

Ich bekomme gezeigt, wie ich mit einem Wetzstahl die Messer scharf halte. Das ist Übungssache und braucht etwas Zeit bis man das kann. Eine ausführliche Anleitung gibt es hier. 

In der Ausstellung nehme ich verschiedene Messer in die Hand. Es ist schon ein deutlicher Unterschied bei den einzelnen Messertypen und Modellen zu merken. Eine ganz klare Empfehlung: Wenn es möglich ist, dann nimm das Messer vor dem Kauf in die Hand und schaue, wie es dir liegt. 

Beim Kaffee bekomme ich noch Empfehlungen, was ich mir in der Gegend noch ansehen kann. Wenn ich doch schon mal dabei. Leider regent es zu dem Zeitpunkt sehr stark. Mir bleibt also nur, alles durch die Autoscheibe anzusehen. 

So fahre ich wieder über die Autobahn nach Hause. Den ersten Stau seit letztem Sommer auf Rømø erlebe ich an einer Auffahrt. 

Vielen Dank für die Einladung ins Werk. Das war ein toller Tag. 

Meine neuen Messer habe ich schon ausprobiert. Mein erster Eindruck ist sehr positiv. Darüber werde ich im Sommer noch weiter drüber berichten. 

 

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