Krieger

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Gestern war mir nicht so nach schreiben. Eigentlich waren es gute Vorraussetzungen dafür aber dann irgendwie doch nicht. 
Ich bin noch etwas gefahren. Ins Hinterland nach Chulilla. Großes und bekanntes Klettergebiet. Das ist mir empfohlen worden. Da würden auch Leute in Bussen schlafen und alle voll nett da und so. 
Ich bin ja aus Calpe weggefahren weil mir da zu viel los war. Zu viele Touristen. Zu viele Wohnmobile. Alles voll. Kein Platz. Zu wenig Natur. 
Als ich im Klettergebiet ankomme fahre ich erstmal zu einem Stausee. Da ist wenig los. Und die Kletterfelsen sind noch etwas weg. 
Als ich dichter an den Ort komme werden die Leute mehr und es stehen überall Busse rum. Mit so vielen habe ich nicht gerechnet. Da war es im El Chorro doch um Welten besser. 
Sehr viele Deutsche sind unterwegs. Na klar ist wohl von Deutschland aus gesehen am dichtesten dran. Und warum dann wo anders hinfahren. Als ich das gesehen habe, kam mir der Gedanke das es doch gut gewesen wäre noch 2 Wochen im El Chorro zu bleiben. Wie gut es da war habe ich leider jetzt erst gemerkt. 
In dem Dorf sind noch viele am Saufen. Die Silvesterparty geht hier wohl etwas länger. Es ist schon nach Mittag. Es stinkt nach Sauferei wie in Berlin. 
Ich suche mir einen Stellplatz. 
Später bekomme ich zu wissen das ich auf dem „German Hill“ gelandet bin. Irgendwie ist es seltsam hier. Mein einziger Verbündeter ist Rudi. Zu dem darf ich aber nach ein paar Stunden keinen Kontakt mehr haben. Obwohl er sich bei mir am wohlsten fühlt. Ich liege in der Hängematte und er legt sich daneben. Naja das ein oder andere Stück Wurst haben wohl geholfen das er mich mag. Wir verstehen uns jedenfalls gut. Ich darf ihm dann aber nix mehr geben. Das war auch das einzige was die Frau die mit Rudi hier ist zu mir gesagt hat. 
Dann gibt es da noch Leute die sich Nudeln und Ketchup zu Essen machen. 
Ein Abimädchen fehlt natürlich auch nicht. Wie Abimädchen halt so sind weiß sie natürlich alles und hat es raus. Das beste wäre ja wenn man alleine mit einem Fahrzeug reisen würde dann könnte man ja machen was man will. Ach nee. Sie würde ja auch im Van leben wollen ABER
Dann gibt es noch Leute die mit Löffeln in Teflon-Pfannen rumkratzen. Und sowieso machen heute all die sportlichen Kletterer erstmal einen Day off. Weil gestern war ja Party Hard. Und was die nicht alles getrunken haben. 
Ich habe keine Lust mich mit den Party-Amateuren zu unterhalten. Und mit dem Abimädchen auch nicht. Die hat Probleme die ich nicht mal vor 20 Jahren hatte. 
Es ist eine seltsame Stimmung. Ich überlege ob ich am Abend ein Feuer machen möchte und mich dann schön zu unterhalten. Holz liegt genug rum. Aber wenn ich schon darüber nachdenke dann lasse ich es lieber gleich bleiben. 
Ich habe wahrscheinlich mal wieder einen nicht so guten Tag. Oder mir ist halt alles zu Stumpf. Ich weiss es nicht. 
Eine Stunde vor Sonnenuntergang fahre ich weg. Ich fahre vielleicht 2 km weiter und stehe alleine. Das fühlt sich viel besser an. Ein Feuer mache ich trotzdem nicht. Alleine ist das oft etwas seltsam. Ich meine zum Feuer gehört auch Geselligkeit. Es gibt was zu essen und zu trinken. Man teilt. Man tauscht sich aus. Oft ist es Lustig. Meistens lerne ich was. Oder es gibt etwas worüber ich später noch mal nachdenken kann. Das war jetzt schon der dritte Abend ohne Feuer und das fehlt mir sehr. Irgendwie ist es doch klar. Das Menschen sich abends am Feuer getroffen haben das gibt es doch nun echt schon ewig. Da kannte die Menschheit noch nicht mal Häuser und da gab es schon das Feuer. 
Auf Reisen finde ich das noch mal besonders wichtig. Da ist man ja eh mehr draussen. 
Wie habe ich es noch in einem Buch von Paulo Coelho gelesen: „Wenn wir die Welt verändern wollen, müssen wir die Zeit wieder aufleben lassen, in der sich die Krieger um das Feuer versammelten und Geschichten erzählen.“
Ja, da ist was dran. Die deutschen Wohnmobilfahrer die mich wegen eines Feuers immer anschreien, wissen das natürlich nicht. Brauchen sie auch nicht. Ihr seid eh schon tot in euren Kühlschränken. Ihr merkt es bloß noch nicht. 
Ich bin heute mal wieder knapp 200 km gefahren. Das war toll. Ich habe dabei Musik gehört und daher kommt auch der Ohrwurm des Tages. 
Und ich bin verabredet. Nein kein Date. Ich treffe Maria und Felix wieder. Du weisst schon: Die beiden mit dem roten Bus aus Erfurt.  Wir wollen bouldern. Und vielleicht verbringen wir ja noch ein paar Tage zusammen. Klettern und Bouldern kann man hier überall. Und ich bin ja schon wieder ziemlich weit zurückgefahren. Also Richtung Heimat. Wenn ich nicht schon nächste Woche zu Hause sein möchte dann muss ich es mal ruhig angehen lassen. 
Zu Essen gab es mal wieder nur Brotzeit. Also mehr oder weniger kalte Küche. Alleine deshalb braucht es mal wieder ein anständiges Feuer. 



















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