Polen im Regen.

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Die Nacht war ruhig. Ausgeschlafen habe ich trotzdem nicht. Anette wühlt rum und steht gefühlt andauern auf. 

Morgens sehen wir auf mein Drängen dann zu, dass wir den Schlafplatz verlassen. Frühstücken können wir auch wo anders und so kann uns auch niemand was. Es ist dann eben wirklich nur Schlafen und nicht Campen. 

Eingespielt hat sich noch gar nix. Und so richtig viel klappt auch noch nicht. Die Aufgaben auf Reisen müssen noch verteilt werden. Gar nicht so einfach. Kommt ja alles auf einmal. Ich sage nicht, wie ich es möchte und Anette weiss es von alleine nicht. Schwierig. Für beide. 

Na der langen Stellplatzplatzsuche in der Nacht, möchte ich heute an einen mir bekannten Platz fahren. Da habe ich letzten Sommer ein paar Tage verbracht. Link und Link zu den Storys von damals. 

Da war es sehr schön und so richtig weit ist der nicht weg. 3 Stunden über Land. Die Gegend ist toll. Wenig Verkehr. Wir lassen uns Zeit. Es halten sogar Trecker für uns an als wir denen zu lange hinterher fahren. Dabei war das Tempo von denen ganz ok und ich wollte gar nicht schneller fahren. Sehr nett von denen. 

Bekannte Plätze habe ich ja noch nicht oft angefahren. Das ist irgendwie auch seltsam. Einerseits braucht man nicht zu suchen und weiss wo man hin muss und auf der anderen Seite hat man dann so eine Erwartungshaltung. Die wird meistens aber nicht erfüllt. Kann also nur schief gehen. Es kann da zum Beispiel schon jemand stehen oder es liegt da sehr viel Müll. In der Zwischenzeit können Verbotsschilder angebracht worden sein. Oder was auch immer. 

An dem Platz mit dem Steg ist es so, dass auf dem Weg dahin schon Mülltonnen im Wald stehen. Gleich 3 große Roll-Container. Und dann stehen im Wald überall so selbstgebaute Zelte aus LKW-Planen. Ein Preper Camp? Aussteiger? Gypsis? 

Wir haben beide sofort ein schlechtes Gefühl dabei und fahren weiter. In der Gegend hier habe ich beim letzten Mal ja jede Stunde einen tollen Platz gefunden. Und der See ist noch groß. Es gibt hier auch noch weitere. 

7 Minuten später finden wir einen ganz okayen Platz. Es ist noch früh. Wir suchen noch mal weiter. 

Ich versuche immer dicht am Wasser zu bleiben und die Wege sind nicht immer gleich als solche zu erkennen. 

Rechts oder Links? Rechts. 

Ja klar habe ich gesehen, dass es etwas feucht ist. Dachte aber, das geht. Geht ja auch. Ich brauche bloß die Winde dafür. Da war eine Spur die zugewachsen war. Und da bin ich voll rein. Der Diffschutz hat eine Furche gezogen in der man Kartoffeln anpflanzen könnte. Aber alles kein Problem. Routine. Da weiss Anette schon mal was sie auf dem Event in den nächsten Tagen erwartet. 

Etwas weiter finden wir dann einen wirklich tollen Platz. Mit Steg. Der Defender steht versteckt. Nur 2 Angler kommen mit Wathosen durchs Schilf und hauen rechtzeitig wieder ab. 

Als sich der Regen ankündigt bauen wir mein kleines Tarp auf. Ich habe insgesamt drei Stück in verschiedenen Größen. 

Ich nutze die Zeit für eine Mittagsstunde. 

Später machen wir ein Feuer. Ich brate uns eine Packung Kielbasa. Die typische polnische Wurst. 

Dann gibt es heißes Wasser für die Dusche. Ich möchte es ausprobieren, die mit einem Flaschenzug in einen Baum zu ziehen. 

Ich werfe eine Schnur über den Ast und ziehe einmal dran. Knackt etwas. Wird aber gehen. Soll ja nur 12 Kilo halten. Also einen Kessel voll heißes Wasser und zwei kalte. Das ist ein ganz gutes Mischungsverhältnis. 

Anette soll den Sack etwas hochhalten. Ich ziehe an dem Seil. Das wird was. Noch ein Stück höher und dann knackt es. Der ganze Ast kommt runter. Und Anette steht genau drunter. Mist. Voll auf den Kopf. 

Blut ist nicht zu sehen und ich beruhige sie. 

Scheisse, dass war mein Fehler. Sowas Blödes aber auch. Sollte mir eigentlich nicht passieren. Besonders nicht, weil ich von mir denke, dass ich mich draussen ganz gut auskenne und immer so auf die Stadtmenschen schimpfe. 

Ich finde dann einen stabileren Ast und die Dusche tut gut. Für die nächste Tour nehme ich mal längere Reepschnur für den Flaschenzug mit.  

Am Abend ist der Regen dann vorbei und es wird noch richtig schön. Als ich Anette das mit dem Feuer erklärt habe, klappt das auch. 

Auf der anderen Seite vom dem See ist sowas wie ein Ferienlager. Man kann die ganze Zeit junge Leute hören. 

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Winch, Wetter, WLAN und Knüppel auf dem Kopf.

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