Polen: Wieder alleine im Wald.

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Ich bin wieder alleine und es ist so ruhig. Schön. Es geht also weiter wie immer. Stellplatzsuche. Mein Navi ist voll mit Plätzen an denen ich schon mal war. Da könnte ich noch mal hin aber irgendwie ist auch Zeit für was neues.

Mein Wunschvorstellung ist ein See ohne andere Leute. Am besten mit offiziellen Charakter und auf der Sonnenseite. Es wird Zeit für eine Dusche und da brauche ich Ruhe und Wärme.

Ich fahre noch einmal durch das Militärgebiet. Da ich alleine bin möchte ich nix riskieren und fahre die Teerstrasse. Naja bis auf ein oder zwei Abkürzungen. Dann sehe ich eine kleine Flussdurchfahrt neben einer Brücke. Die sieht harmlos aus und ist mir die Tage schon aufgefallen. Der Schotterweg ist neu und sieht noch unbefahren aus. Ich glaube das machen die damit die Panzer nicht über die Brücke müssen. Die hält laut Schild nur 25 Tonnen.

Es gibt schon eine Spur die es nicht geschafft hat. 

Ich mache gleich alles rein was geht. Also Sperre und Untersetzung. Es gibt nur einen Versuch.

Langsam rein. Jo ist nicht tief. Wasser ist klar. Kein Problem. Der HBM sackt ein. Ok. Alles noch im grünen Bereich. Weiter. Vorne bin ich schon auf dem Schotter. Mehr Gas. Hayaa. Fest. Mist. Also wieder zurück. Noch mehr Gas. Oh oh. Gleich brauche ich das neue Windenseil. Aber dann komme ich frei. Ich bin genau so weit gekommen wie die andere Spur vor mir. Also doch die Brücke. Das wäre ja was geworden.

Erst der 4. Platz den ich anfahre ist ok. Überall Leute. Schatten. Irgendwas ist immer. Dann fällt mir auf das Sonntag ist und das es dann ja auch gar kein Wunder ist wenn so viel los ist. Die Polen sind halt gerne im Wald. Im Moment besonders gerne. Überall sieht man Leute Pilze sammeln. Ist mir bei der Rallye schon aufgefallen.

Auf dem Weg tanke ich. Der Diesel kostet etwas über einen Euro. Und es gibt Hot-Dogs.

An die polnischen Autofahrer muss ich mich erst wieder gewöhnen. Die fahren so als wenn gerade Zeittraining ist und die mich überrunden. Bloß schnell vorbei. Egal wo und wie.

Ich versuche dann mehr über kleinere Wege zu fahren. Dabei finde ich noch einen Hauklotz. Der kommt mit. Ich stelle mir eh die ganze Zeit die Frage ob noch genug Feuerholz da ist.

Am See mache ich schnell ein Feuer. Es gibt eine verschwenderisch lange Dusche.

Dann rette ich eine Libelle vor dem Ertrinken. Es braucht einige Versuche um sie an Land zu bekommen damit die Flügel trocknen können.

Ich sitze dann am Feuer und schaue auf den See. Sehr schön hier und ruhig. Es kommt ein Eisvogel angeflogen. Der steht 15 Meter vor mir in der Luft. Schlägt mit den Flügeln. Wir schauen uns an und weg ist er wieder. Was für ein toller Moment.

Ich könnte jetzt gut kochen. Bin aber zu müde und Hunger habe ich irgendwie auch nicht richtig.

Also Mittagsstunde. Um richtig zu Bett zu gehen ist es noch etwas zu früh.

Ich schlafe tief und fest. Im Traum höre ich Unimogs.

Als ich wach werde ist die Sonne schon untergegangen. Schnell noch ein Feuer gemacht um die Wasserziege ausreichend zu befüllen. Immer noch kein Hunger.

Es ist richtig dunkel. Also richtig. Vom Mond ist fast nix zu sehen. Am anderen Ende vom Wald röhrt ein Hirsch. Also ich denke das es einer ist. Für Rehe ist das zu laut und viel zu kraftvoll.

Ich packe alles zusammen und lege mich in den HBM. Die Wasserziege kommt mit. Schön warm ist es.

Da ich kein Radio habe, hält sich ein Ohrwurm bei mir oft über Tage.

Ich liege jetzt im Bett und denke über weitere Ideen für diese Reise nach. Morgen Abend besuche ich Freunde, die hier auch Urlaub machen. Weitere Pläne gibt es nicht. Die Woche habe ich noch Geburtstag. Den werde ich wohl alleine irgendwo am See feiern. Und Hunger habe ich jetzt auch. Damit ich da immer gut vorbereitet bin und falls mir jemand was schenken möchte, habe ich noch viele leckere Sachen in meine  Wunschliste gelegt. Natürlich erwarte ich keine Geschenke. Ein netter Kommentar oder eine Nachricht ist vollkommen ausreichend.

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